KLAUS STEGMANN : Der künstlerische Weg

Klaus Stegmann wurde im Jahre 1940 in Ubbendorf geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Norddeutschland zwischen Wesermarsch und Lüneburger Heide. Er hatte schon früh Begegnungen mit der bildnerischen Kunst. So sah er schon mit 12 Jahren die ersten Original-Gemälde im Künstlerdorf Worpswede. Diese ersten Begegnungen bei Martha Vogeler im "Haus im Schluh" und später im "Barkenhoff" sollten ihn nachhaltig prägen. In der Mittelschule zu Hoya/Weser wurde er besonders von seinem Kunsterzieher gefördert. Es entstanden die ersten kleinen Tonplastiken. Schon damals erregten die Bilder von Vincent van Gogh und Paul Gauguin stärkstes Interesse bei ihm. Dieses mag wohl ein Grund dafür sein, dass er später eine ausgeprägte Reiselust zu fremden Ländern und Kulturen entwickelte.

Ja, es ist diese unerschöpfliche Neugierde, die ihn immer wieder in die Ferne treibt. In seiner frühen künstlerischen Schaffensperiode zog es ihn oft in die Provence, um den Spuren van Goghs und Gauguins nachzugehen. Später dann reiste er ständig in Gebiete der sog. "Südsee". Nolde, Pechstein, Matisse und vor allen Dingen Gauguin hatten sich hier stark inspirieren lassen. Diese ungewöhnliche Inspiration in den Tropen hat auch Klaus Stegmann in den Bann gezogen. Hier erhält er immer wieder neue Ideen.

Polynesien und Indonesien

Polynesien und Indonesien sind seine Favoriten. So hatte er mehrere Aufenthalte im sog. Polynesischen Dreieck : Hawaii, Samoa, Tonga, Fidschi, Neuseeland, Cook-Inseln, Tahiti mit seinen Inseln Bora Bora, Huahine, Moorea und Tetiaroa, Osterinsel (Rapa Nui); Tuamotu-Archipel und Marquesas. Im Jahre 1996 legte er eine weiße Frangipani-Blüte auf Gauguins Grab in Hiva Oa, auf den Marquesa-Inseln. Stegmann reiste mit seinem Rucksack und seinen Skizzenblöcken von Thailand über Malaysia quer durch die Inselwelt Indonesiens. Auf Bali haben ihm Freunde ein kleines Haus und Atelier errichtet. Jetzt können seine Arbeiten auch direkt vor Ort gemalt werden.
Stegmanns eigentlichen künstlerischen "Ziehväter" sind die deutschen Expressionisten und die französischen Fauvisten. Er schaut sich immer wieder Ausstellungen der "Brücke"-Maler und die des "Blauen Reiters" an. Er ließ sich sowohl von Noldes Garten und Landschaften als auch von Kirchners Alpenhaus in Davos inspirieren.

Dennoch, bei allem Einfluss, hat Stegmann längst seinen eigenen farb- und ausdrucksstarken Stil gefunden. Der Maler geht seinen eigenen Weg und findet neue Inspirationsfelder auf seinen Entdeckungsreisen.

Wie oft sagt er: " Ich brauche das Sowohl als Auch, das Hier und Dort, das Hin und Her, das Helle und Dunkle, das Eckige und das Runde, das Ying und das Yang."

Die Lösung liegt im Ausgleich der Gegensätze. Das Prinzip, dass Dinge erst erfahrbar werden durch den Gegenprozess oder das Gegenbild, dieses Prinzip findet man in seinen Bildern oder auch in seinen anderen Gestaltungsmöglichkeiten wieder.

Beispielsweise werden die linearen Formen in seinem Garten immer wieder durch runde akzentuiert: eckigen bepflanzten Trögen ordnet er runde Findlinge oder Schleifsteine zu. Oder er baut in die hiesige Gartennatur Holz- und Steinplastiken aus einem fremden Kulturraum ein. Ein Wechselspiel zwischen Natur und Kultur. Das schöpferische Prinzip erfährt man durch den direkten Umgang mit den verschiedenen Elementen. Die Wörter "begreifen" oder auch "bewusst machen" sind in ihrer tiefen Bedeutung gute Zeichen für das besondere Tun in Klaus Stegmanns schöpferischer Auseinandersetzung.

Der Jäger und Sammler

Immer wieder betont Stegmann, dass seine Sehnsucht zum Reisen und zum Unterwegssein unmittelbar gekoppelt ist mit der geradezu naiven Lust, wieder nach Hause zu kommen. Wenn er unterwegs viele Eindrücke eingefangen hat, neue Ideen erhielt und kulturelle und ethnische Hintergründe entdeckte, dann muss er unbedingt wieder nach Hause kommen, um - einem Schatzsucher gleich - es hier wieder abzuladen und auszuteilen. So entstehen neue Bilder. Er ist wie ein " Jäger und Sammler" neuer Eindrücke, die er dann in seiner eigenen künstlerischen Sprache ausdrückt: EINDRUCK - AUSDRUCK !!! In diesem Gegensatzpaar vollzieht sich sein künstlerisches Schaffen gleichsam als schöpferischer Akt.
Für ihn, der an der Hochschule u.a. Kunst studierte, ist es jetzt wichtig geworden, den eigenen künstlerischen Weg und die eigenen Ausdrucksformen unabhängig von der Lehrweisheit der Hochschule zu finden. Eindruck zum ganz persönlichen Ausdruck werden zu lassen, das ist die ganz eigene Sprache bei Stegmanns künstlerischem Tun.

Symbole seiner inneren Welt

In seinen Bildern entdeckt man Symbole seiner inneren Welt wieder:

Haus und Hütte: menschliches Leben und menschliche Aktivität
Garten: etwas vom vermeintlichen Paradies
Meer: Weite, Sehnsucht nach einer fernen Welt
Boote: Abenteuer- und Entdeckerlust, ablegen und ankommen, Austausch mit anderen Kulturen
Vulkan: Naturgewalt; lebensspendend und lebensbedrohend
Gesichter: Ausdruck der Befindlichkeit; Blickrichtung
Masken: Mystik, Versteck der Gefühle
Figuren im Bild: Ethnische Begegnung; symbolische Aussage
Blumen und Pflanzen: Schönheit, Freude am Sein, Natur, Vitalität
Bäume: kraftvolle Natur, Langlebigkeit
Mauern: sich leiten lassen, Schutz, Grenze anzeigen
Sonne: Energiespender, enorme Kraft, Farbspiel

Bei subtiler Betrachtung von Stegmanns Bildern sind sicherlich noch mehr versteckte Zeichen seiner eigenen Malerwelt zu entdecken. Der Künstler versucht, seinem Erfahrungsschatz entsprechend, Tagebuchblätter oder auch Liebesbriefe für sich, seine Familie und seine Sammlerfreunde darzustellen.
Da Klaus Stegmann große Lust zum Experimentieren hat, schuf er auch einige eigenwillige Besonderheiten für sein Haus und seinen Garten.

So sind u.a. doppelgesichtige Janusköpfe, "Blue Boxes", kleine plastische Figuren und für den Garten Gartenbilder entstanden. Stegmann ist ein durch und durch kreativer Mensch, dem eine gewisse Lebensfreude und positive Lebensanschauung nicht abzusprechen ist. "Da ich viele traurige und negative Erfahrungen in meinem Leben hatte, möchte ich durch Sublimierungsprozesse positiv und lebensbejahend gestalterisch tätig sein." Das ist eine seiner Lebensmaxime.

Laudatio in Perth

In der Laudatio anlässlich seiner Ausstellung in Perth / Australien im Jahre 2001 mit dem Titel "LIVING THE DREAM" hieß es u.a.

"For Stegmann, growing up in war-torn Germany, and losing his father in that conflict, the pursuit of happiness is a conscious effort. "Happiness", he says," is a daily part of my life - but it comes from the opposite".

Das bedeutet ungefähr in der Übersetzung:

"Für Stegmann, der im kriegszerstörten Deutschland aufwuchs und seinen Vater im Krieg verlor, ist das Streben nach Glück nur durch die Anstrengung des Bewusstseins möglich. "Glück", so sagt er, "ist ein Teil meines täglichen Lebens - aber es kommt aus dem Wissen des Gegenteils".

Klaus Stegmann beteiligte sich seit 1978 an weit über 100 Ausstellungen im In- und Ausland.

- Mai 2002 -